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Projektleitung: Prof. Dr. Elke Grimminger-Seidensticker
Jun.Prof. Dr. Jörg Trojan
Mitarbeiter: Johanna Korte
Dr. Aiko Möhwald
   
Auftraggeber: Baden-Württemberg Stiftung
Laufzeit: 2015 - 2016

Ziele und Inhalte
Gefühltes Übergewicht bzw. Körperunzufriedenheit stellt im Jugendalter, v.a. für Mädchen, ein Entwicklungsrisiko dar, da es mit einer Vielzahl an psycho-sozialen und gesundheitlichen Belastungen verbunden ist. Der Wunsch trotz Normalgewicht, dünner zu sein, steht v.a. im Zusammenhang mit (sub-)klinischen Essstörungen, Depressionen und geringer wahrgenommener Lebensqualität. Der Zusammenhang einer Körperunzufriedenheit mit sportlicher Aktivität bzw. der Einfluss sportlicher Aktivität auf Körperzufriedenheit ist bislang sowohl für das Jugend- als auch Kindesalter unerforscht. An dieser Problemstellung knüpfte das Projekt „Gefühltes Übergewicht, sportliche Aktivität und Lebensqualität im Kindesalter“ an und versuchte Zusammenhangswissen über Körperunzufriedenheit und verschiedenen Faktoren im Kindesalter, wie sportliche Aktivität, Lebensqualität und subklinische Essstörungen zu generieren.
Insgesamt nahmen N = 824 Kinder (n = 413 Jungen; n = 411 Mädchen) im Alter zwischen 7 und 12 Jahren (MW = 9,21 Jahre) an der Studie teil. Die Kinder füllten einen umfassenden Fragebogen aus und absolvierten Teile des Deutschen Motorik Tests, in dessen Rahmen auch ihre Körpergröße und Körpergewicht reliabel und objektiv gemessen wurden.
Zur Erfassung des Konstrukts `Gefühltes Übergewicht´ wurden die objektiv erfasste anthropometrischen Daten mit der subjektiven Selbstangabe zur Wahrnehmung des eigenen Körpergewichts in Verhältnis gesetzt. Als `gefühlt übergewichtig´ gelten demnach Kinder, die normal- oder untergewichtig, aber unzufrieden mit ihrem Gewicht sind und sich wünschen, dünner zu sein.
Rund ein Viertel (N = 145) der untersuchten normal- oder untergewichtigen Kinder können der Gruppe der `Gefühlt Übergewichtigen´ zugeordnet werden. Dabei sind vom `Gefühlten Übergewicht´ signifikant mehr Mädchen (N = 86) als Jungen (N = 59) betroffen. Als kontras-ierende Gruppe dienen normalgewichtige Kinder, die mit ihrem Gewicht zufrieden sind (N = 421) und als `Realisten´ bezeichnet werden, sowie Kinder mit tatsächlichem Übergewicht (N = 153).
Erste explorative Ergebnisse zeigen, dass Kinder mit gefühltem Übergewicht eine signifikant geringere Lebensqualität im Vergleich zur Gruppe der `Realisten´, aber auch im Vergleich zu den tatsächlich übergewichtigen Kindern besitzen. Zudem zeigen gefühlt übergewichtige Kinder ein signifikant ausgeprägteres gezügeltes Essverhalten als `Realisten´ und tatsächlich übergewichtige Kinder. Beide Ergebnisse geben Hinweise auf das psycho-soziale und gesundheitliche Entwicklungsrisiko von gefühltem Übergewicht im Kindesalter.
Hinsichtlich ihrer sportlichen Aktivität im Sportverein und ihren sportmotorischen Fähigkeiten unterscheiden sich die gefühlt übergewichtigen Kindern nicht von den `Realisten´. Die tatsächlich übergewichtigen Kinder unterscheiden sich jeweils von den `Realisten´ sowie den gefühlt übergewichtigen Kindern. Der Kontext des Sports wird folglich von gefühlt übergewichtigen Kindern gleichermaßen aufgesucht, allerdings unterscheiden sie sich in ihren Motiven, Sport zu treiben: Kinder mit gefühltem Übergewicht sind im Gegensatz zu den `Realisten´ vermehrt aus Gesundheits- und Fitnessgründen sportlich aktiv. Zudem weisen gefühlt übergewichtige Kindere größere sportunterrichtsbezogene Sorgen als `Realisten´ auf und bevorzugen signifikant häufiger sportdidaktische Inszenierungen, in denen zentrale Grundbedürfnisse wie Autonomie, Zugehörigkeit und Sicherheit erfüllt sind. Perspektivisch gilt es diese vorliegenden Ergebnisse zum Sportunterricht und zur Bedeutung sportlicher Aktivität tiefergehend zu klären.


Derzeitiger Bearbeitungsstand
Vorbereitung von Publikationen

Links
http://www.deutschlandfunk.de/sportpaedagogische-tagung-in-hannover-eine-katastrophale.680.de.html?dram:article_id=388959



Letzte Änderung: 2017-11-22 18:32:51