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Projektleitung: Dr. Enrico Michelini
Mitarbeiter: Jennifer Bruland
   
Auftraggeber:
Laufzeit: 01.06.2016-heute

Ziele und Inhalte
Das Projekt zielt darauf ab, (Sport-)Biographien von LeistungssportlerInnen mit Fluchtgeschichte zu rekonstruieren.
Aufgrund der Aktualität der sogenannten „Flüchtlingskrise“ ist ein solches Vorhaben interessant, um folgenden Forschungsfragen nachzugehen: Wie deuten Leistungssportler mit Fluchtgeschichte selbst den Einfluss der Flucht auf ihr Leben und ihren Sport? Wie hat die Flucht ihren Zugang zum Sport(verein) gefördert oder behindert? Wie wird trotz dramatischer Erlebnisse und drastischen Lebensveränderungen weiter Sport getrieben? Wie stellen sich junge Leistungssportler mit Fluchtgeschichte ihr Leben vor und welche Rolle nimmt dabei der (Leistungs-)Sport ein? Welche Entwicklung lässt sich im Verlauf der Zeit feststellen?
Diese Forschungsfragen werden durch Ethnografie (u.a. narrative Interviews und teilnehmende Beobachtung) und unterschiedliche theoretische Ansätze untersucht, um eine tiefe und ausdifferenzierte Betrachtung dieses aktuellen sozialen Phänomens zu entwickeln.

Derzeitiger Bearbeitungsstand
Ein bereits durchgeführtes Teilprojekt fokussiert sich auf die Rekonstruktion der (Sport-) Biographien von ehemaligen Mitgliedern der syrischen Jugendwasserballnationalmannschaft. Mittlerweile wurden bereits Daten zu drei Messzeitpunkten (in 2016, 2017 und 2018) erhoben. Ein zusätzlicherer Messzeitpunkt wurde aufgrund der Pandemie abgesagt.

An einem Wasserballturnier in Schweden (Norrköping) nahmen im Juli 2016 und 2017 fünf ehemalige Mitglieder der syrischen Jugendnationalmannschaft (unter der Leitung des ehemaligen Trainers) teil. In der Tat war es (in 2016) der erste Auftritt der syrischen Wasserball-Nationalmannschaft nach einer vierjährigen Zwangspause, denn durch die Verschärfung des Bürgerkriegs in Syrien wurde die Mannschaft aufgelöst und viele der Mitglieder mussten in verschiedene europäische Länder flüchten.

Das Wasserball-Event wurde dazu genutzt, um tiefgründige qualitative Analysen (teilnehmende Beobachtung und Leitfadeninterviews) kompakt durchzuführen. Zum ersten Messzeitpunkt wurde die Frage nach dem Einfluss der Flucht auf die (Leistungs-)Sportkarriere besonders hinterfragt. Weil die oben genannten Leistungssportler zu dem Zeitpunkt in unterschiedlichen europäischen Ländern lebten (1 in Deutschland, 3 in Schweden, 1 in Holland), war die Möglichkeit gegeben, die subjektiven Lebens- und Sporterfahrungen als Flüchtling in unterschiedlichen europäischen Ländern zu hinterfragen. Die zweite Erhebung nahm zudem die Entwicklung der geflüchteten Sportler und ihren Sportkarrieren in den Fokus.
Es zeigte sich, dass nur einer der fünf in Schweden angetretenen syrischen Spieler den Weg zum Profi-Wasserball in Europa gefunden hat. Drei betreiben die Sportart noch regelmäßig, aber auf einem niedrigen Niveau. Einer der Spieler ist komplett aus dem Sport ausgestiegen. Für einen der Spieler und für den ehemaligen Trainer der Nationalmannschaft gaben die drastischen Lebensveränderungen den Anlass, um sich wieder dem Wasserball anzunähern, nachdem sie sich (schon vor dem Krieg) vom Sport zurückgezogen hatten.

Nichtsdestotrotz wird deutlich, dass die Athleten nur mühsam den Weg zurück zum Sport finden, v.a. in „kleinen“ Sportarten. Eine systematische Sportförderung fehlt. Initiativen wie diese Vereinigung entstehen leider meist nur durch persönliches Engagement von Einzelnen. Die dritte Erhebung soll zeigen, wie langfristig und nachhaltig die Ergebnisse der beiden ersten Messzeitpunkte sind, beziehungsweise wie sich die Sportkarrieren weiter entwickelt haben.

Neben der Längsschnitt-Forschung zum Fall der „geflüchteten syrischen Wasserballer“ werden im Rahmen des Projekts auch Daten über (Sport-) Biographien von SportlerInnen mit einem Flüchtlingshintergrund in anderen Sportdisziplinen gesammelt.

Anmerkungen
Interessierte Studierende können sich an Prof. Dr. Ulrike Burrmann oder Dr. Enrico Michelini wenden, um o.g. Fragestellungen im Rahmen von Bachelor- oder Masterarbeiten nachzugehen.

Links
Publikationen:
Michelini, E. (2020). Coping with Sport Ambitions after Forced Migration: Strategies of Refugee Athletes. European Journal for Sport and Society. doi:10.1080/16138171.2020.1792114
Michelini, E. (2018). War, migration, resettlement and sport socialization of young athletes: the case of Syrian elite water polo. European Journal for Sport and Society, 15(1), 5-21. doi:10.1080/16138171.2018.1440949


Presseberichte auf Deutsch:
http://www.sport.tu-dortmund.de/sport/index.php?page=announcement&mID=102#prettyPhoto
http://www.svwestfalen.de/index.php/wasserball/aktuelles/193-wiedersehen-in-schweden#axzz4GGBsngAe
http://www.tu-dortmund.de/uni/Uni/aktuelles/meldungen/2016-08/16-08-01_wasserball/index.html

Presseberichte auf Schwedisch:
http://www.hd.se/2016-07-12/med-syrisk-forstarkning-gjorde-vattenpolarna-succ
http://www.svtplay.se/klipp/9501550/jag-hoppas-jag-gor-nagot-for-sverige?cmpid=del%3Aem%3Apl%3A20160709%3Ajag-hoppas-jag-gor-nagot-for-sverige%3Apla&info=visa
http://www.svtplay.se/klipp/9420246/vattenpolo-ar-mitt-liv
http://www.svt.se/sport/artikel/vattenpolo-2/?cmpid=del%3Afb%3Asp%3A20160708%3Avattenpolo-2%3Aspo
http://www.svt.se/nyhetsklipp/lokalt/skane/article6964621.svt?autostart=true


Letzte Änderung: 2021-02-19 08:11:09