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Projektleitung: Prof. Dr. Ulrike Burrmann
Prof. Dr. Jörg Thiele
Prof. Dr. Michael Meuser (Soziologie)
Mitarbeiter: Dr. Sebastian Kunert
Benjamin Zander
Nicole Kirchhoff (Soziologie)
   
Auftraggeber: DFG
Laufzeit: 2014-2017

Ziele und Inhalte
Schule scheint v.a. die Wissens- und Handlungsmuster, die in bildungsnahen Milieus an die Heranwachsenden vermittelt werden, zu präferieren und zu unterstützen. Der Blick wird auf jugendliche MigrantInnen gerichtet, die überproportional häufig zu den sogenannten Bildungsverlierern gehören. Wenn es darum gehen soll, so etwas wie eine milieuspezifische Handlungsbefähigung herzustellen und zu unterstützen, kann das Feld von Bewegung und Sport einen guten Anknüpfungspunkt bieten, um das häufig gestörte Verhältnis zwischen Schulen und ihren SchülerInnen mit Migrationshintergrund zumindest in einem ersten Ansatz anders zu justieren. Die geringe Bedeutsamkeit des Faches Sport im Hinblick auf schulischen Qualifikationserfolg könnte in dieser spezifischen Konstellation sogar eine Stärke sein, da der Prozess einer Wiederannäherung der Kontexte nicht sofort mit Fragen von Selektion und gesellschaftlicher Anerkennung konfrontiert und aufgeladen wird. Im Gegenteil, der Schulsport könnte für einige SchülerInnen eine der wenigen Möglichkeiten darstellen, spezifische Erfolgserlebnisse in der Schule zu generieren, auch weil Sport zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten zählt. Das Forschungsvorhaben versucht auf der Grundlage von quantitativen und qualitativen Daten Sozialisationsmechanismen zu entschlüsseln, die zu einer unterschiedlichen Teilhabe von Heranwachsenden mit Migrationshintergrund an schulischen und außerschulischen Bewegungs- und Sportpraktiken beitragen. Im Fokus steht die Frage, inwieweit bestimmte Handlungsbefähigungsmuster im Schulsport bevorzugt werden, sich also auch der Schulsport, und hier insbesondere der Sportunterricht, an Wert- und Normpräferenzen bildungsnaher Milieus orientiert. Das Vorhaben besteht aus zwei miteinander verknüpften Teilen: 1. einer Sekundäranalyse der repräsentativen Sprint-Studie mit 7.436 Siebt- und Neuntklässlern, inklusive 1.722 MigrantInnen und der Möglichkeit, die Schülerdaten mit den Eltern- und Lehrerdaten zu koppeln; 2. Gruppendiskussionen mit 16 natürlichen Gruppen Altersgleicher mit türkischem Migrationshintergrund in einer längsschnittlichen Anlage (7. und 9. Schuljahr). Es wird untersucht, welchen Erklärungswert Geschlecht, Schicht und Migrationshintergrund in ihrer Verschränkung auf die Sozialisation von Jugendlichen zum schulischen und außerschulischen Sport haben. Erkundet werden die soziosomatischen Kulturen von MigrantInnen hinsichtlich der Prozesse ihrer Konstitution, ihrer möglichen ethnischen Konnotierung in Praktiken der Selbst- und Fremdzuschreibung und ihrer lebensweltlichen Realisation. Des Weiteren wird gefragt, wie die MigrantInnen vor diesem Hintergrund den Schulsport sowie die außerschulischen Bewegungsaktivitäten wahrnehmen, beurteilen und durch eigene Entscheidungen beeinflussen. Auf der Grundlage der Befunde sollen mit der gebotenen Vorläufigkeit erste Konsequenzen für die Konstruktion eines Schulsports, der versucht, das Leitprinzip der Handlungsbefähigung umzusetzen, abgeleitet werden.

School appears to particularly prefer and support those patterns of knowledge and action that are conveyed to adolescents in the educated class. This research project focuses on adolescent migrants who represent a disproportionately large number of a so-called educationally disadvantaged group within our society. The field of physical activity and sport can help initially in strengthen the agency of that group and in readjusting the often difficult relationship between schools and their students with migrant background. Since sport is considered to play a peripheral role in defining academic success it could actually strengthen a rapprochement by schools and their students because it provides an area where matters of selection and societal recognition play a minor role. School sport may represent one of the few opportunities to some students for generating a sense of achievement in school since sport is among the most popular leisure activities of adolescents outside of school.
Based on quantitative and qualitative data, this research project studies socialization mechanism that contribute to varying participation rates of adolescents with migrant backgrounds in schools, in extracurricular exercise and in sports practices. The central focus is to analyze to what extent specific patterns of agency are preferred in school sport, in other words to what extent any kind of school sport, especially physical education, is oriented toward values and norm preferences of more highly educated social milieus. The project consists of two related parts: (1) A secondary analysis of data from the representative Sprint study with 7,436 seventh- and ninth-graders, including 1,722 migrants, and the option of linking student data with parent and teacher data; (2) Group discussions with 16 natural groups of same-aged boys and girls with a Turkish background in a longitudinal design (grade 7 and 9). The goal is to evaluate how gender, social class, migration and their intersections predict the socialization process of teenagers in school sport as well as extracurricular sport. The socio-somatic cultures of migrants will be investigated with regard to their construction processes, their possible ethnic connotations accomplished in practices of self-attributions and attributions by others as well as their realization in everyday life. Furthermore we ask how migrants perceive, judge and influence physical education, school sport and extracurricular physical activities through their own decisions. Based on these preliminary results, initial consequences for the construction of school sport attempting to realize the guiding principle of agency shall be derived.


Derzeitiger Bearbeitungsstand
Start Herbst 2014



Letzte Änderung: 2014-12-17 18:45:58