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Nationale Identifikation und die Fußballeuropameisterschaft 2012: Zu diesem Thema führte Michael Mutz im Sommersemester 2012 eine empirische Studie durch. Neben Sportstudierenden der Humboldt-Universität Berlin und der Georg-Augustin-Universität Göttingen nahmen auch Sportstudierende der TU Dortmund an drei Fragebogenerhebungen – einen Monat vor der Fußball-EM, nach dem gewonnen Viertelfinale und dem Ausscheiden des DFB-Teams – teil. Die Ergebnisse dieser Studie wurden gerade im Berliner Journal für Soziologie veröffentlicht:

Bei Welt- und Europameisterschaften im Fußball sympathisieren die Zuschauer in der Regel mit dem Nationalteam ihres Landes. Die Nationalmannschaft wird zum Ankerpunkt für nationale Identifikation und – bei sportlichem Erfolg – zur Quelle von Nationalstolz. Nationale Identifikation kann sich als patriotische Verbundenheit ausdrücken, aber auch in einen negativen, übersteigerten Nationalismus umschlagen, der die eigene Nation idealisiert und Fremdgruppen abwertet. Der Beitrag untersucht patriotische und nationalistische Einstellungen vor, während und nach der Fußball-EM 2012. Dazu werden Längsschnittdaten aus einer studentischen Stichprobe ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass das Anschauen der Spiele der deutschen Mannschaft mit einem starken Anstieg von Patriotismus und einem moderaten Zuwachs von Nationalismus verbunden ist. Diese Zuwächse resultieren aus dem Erleben starker, positiver Emotionen, der Einbindung in kollektive Rituale und der Aneignung nationaler Symbole während der EM. Wenige Tage nach dem Ende der EM fielen diese Effekte aber schon erkennbar schwächer aus. Eine nachhaltige Veränderung patriotischer oder nationalistischer Einstellungen dürfte die EM deshalb nicht bewirkt haben.
Michael Mutz arbeitete von 2008 bis 2012 u.a. in BISp-geförderten Forschungsprojekten am Sportinstitut der TU Dortmund. Im Rahmen dieser Tätigkeit entstand auch seine Dissertationsschrift, die 2012 mit dem Titel „Sport als Sprungbrett in die Gesellschaft?“ im Beltz Juventa Verlag erschienen ist und 2013 mit dem dritten Preis des DOSB-Wissenschaftspreises ausgezeichnet wurde. Michael Mutz ist seit Juli 2012 als Juniorprofessor für Sportsoziologie an der Georg-Augustin-Universität Göttingen tätig.

Zurück   (Dortmund, 03.05.2013)